Friedrich Spee Gesellschaft e.V. Düsseldorf

 

 

 

 

Das SPEE-Jahrbuch 2016/17 ist da.

 

 

 

 ,,Fridericus Spe sst" (subscripsit) - Weiteres siehe unter Publikationen

 

 

 

 

 

Spee-Epitaph

 

 

Mittlerweile hat die katholische Gemeinde unterhalb des Epitaphs einen informierenden Schriftzug anbringen lassen.

 

 

 

Eine Rose für den Dichter

Die Spee-Gesellschaft hat sich dieses Jahr der Aktion des Vereins LITERATURLANDSCHAFTEN angeschlossen. Am ersten Juni-Wochenende werden landesweit an Dichtergräbern oder anderen literarischen Gedenkorten Rosen niedergelegt. Unser Gedenkort was das Epitaph.

 

 

Diese Jahr berührte die Aktion zeitlich den Todestag Friedrich Hölderlins (7. Juni 1843). In der ABENDPHANTASIE Hölderlins lesen wir in der vierte Strophe:

 

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf,

Unzählig blühn die Rosen und ruhig scheint

Die goldene Welt, o dort hin nimmt mich,

Purpurne Wolken! und möge droben

 

In Licht und Luft zerrinnen mir Lieb und Leid! -

 

 

Das erinnert die Spee-Gemeinde an die erste Strophe des

 

Eingang zu disem Büchlein

Trvtz-Nachtigal genandt

 

1.

Wan Morgenröt sich zieret

Mit zartem Rosenglantz,

Vnd gar sich dan verlieret

Der Nächtlich Sternentanz:

Gleich lüstet mich spatziren

Jn grünen LorberWald,

Aldà dan Musiciren

Die pfeifflein mannigfalt.

 

(Siehe dazu: Margret Gentner. -in Spee-Jahrbuch 1996)

 

 

 

 

 

 Neuerscheinungen

 

 

Wir stellen ein Buch vor, das im Dezember 2017 herauskam. Erika Münster-Schroer ,,Hexenverfolgung und Kriminalität: Jülich-Kleve-Berg in der frühen Neuzeit". Die Autorin hat sich über viele Jahre mit dem Thema ,,Hexenverfolgung" beschäftigt und durch zahlreiche Vorträge und Aufsätze immer wieder neue Aspekte gefunden bzw. ortsbezogene Phänomene näher untersucht. Einen der ersten Aufsätze zum Thema konnte sie im Spee-Jahrbuch Nr. 7 (2000) unterbringen. Jetzt hat sie erstmals das gesamte Gebiet der ehemaligen Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg, das heute Teile des Maas- und Rheinlandes, des Bergischen Landes und des Ruhrgebietes umfasst, in den Blick genommen. Das Herzogtum Jülich-Kleve-Berg galt in der älteren Forschung als wenig prozessfreudig im Hinblick auf die Hexenproblematik. Das mag für eine bestimmte Zeit gelten. Aber Münster-Schroer weist nach, dass es eben auch Zeiten und Orte gab, in denen Hexenverfolgungen durchaus zum Problem wurden. Das sieht man allein daran, dass einer der letzten Hexenprozesse am Niederrhein 1737/38 in Düsseldorf geführt wurde und zwei Frauen aus Gerresheim betraf. Das ist das letzte große Kapitel in ihrem Buch. Bis dahin beschreibt sie detailliert die ganze Thematik, angefangen bei der frühen Hexenverfolgungen um 1500. An zahlreichen Beispielen aus einzelnen Ortschaften im Herzogtum - veranschaulicht an konkreten Personen, die der Hexerei angeklagt wurden - zeichnet sie ein umfassendes Bild der Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts. Somit wird auch Landesgeschichte in ihren zahlreichen Facetten erzählt. Die Quellen, die Münster-Schroer benutzt, sind die Gerichtsakten und vor allem die Amts- und Stadtrechnungen, die sich an zahlreichen Orten erhalten haben und aus denen sich oftmals die Prozesse und Gerichtsverfahren ablesen lassen. Ein mühsames aber - wie man sieht - erfolgreiches Forschen. Wichtig für die Autorin sind die bereits bekannten und veröffentlichten  Quellen, aber dann vor allem auch die handschriftlichen Quellen aus verschiedenen Archiven, die sie - oft zum ersten Mal - für eine Untersuchung herangezogen hat und hier zum Teil im Wortlaut nachzulesen sind. Bei der umfassenden Darstellung des Themas dürfen die Gegner der Hexenverfolgung nicht fehlen, hier vor allem Johann Weyer, der Leibarzt von Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg. Weyer hat das Problem der Hexerei als Arzt untersucht und so maßgeblich Einfluss auf seinen Landesherrn genommen. In Weyers Schriften werden Bezüge zum Humanismus deutlich. Aus diesem Grund ist er auch auf dem Spee-Epitaph an der Basilika in Kaiserswerth dargestellt.

 

Zur Autorin: Dr. Erika Münster-Schroer ist Historikerin und Germanistin. Sie ist Leiterin des Stadtarchivs und des Medienzentrums in Ratingen sowie Lehrbeauftragte im Fachbereich Frühe Neuzeit an der Universität Duisburg-Essen. Sie ist seit vielen Jahren Mitglied der Friedrich-Spee-Gesellschaft.

 

Hans Müskens

 

 

Info:

Erika Münster-Schroer

Hexenverfolgung und Kriminalität

Jülich-Kleve-Berg in der frühen Neuzeit

Essen 2017 (450 Seiten)

 

 

 Foto: Janicki, Dietrich

 

 

Ernst Müller: Literarisches Rheinland. Nyland-Stiftung Köln. Edition Virgines 2018.

 

 

Das Buch zählt 15 Kapitel. Es handelt sich um den Versuch, eine literarische Topographie des Rheinlandes zu erstellen. Behandelt werden Klassiker wie Goethe und Heine, Heinrich Böll aus Köln, Albert Vigoleis Thelen aus Viersen, der Frühsozialist Georg Weerth und andere. Das Nibelungenlied kommt in Xanten und Konrad von Würzburg in Kleve zur Sprache. Die Ironie des "Menschenschlages" vertritt Hans Dieter Hüsch aus Moers. Die Spee Freunde finden im fünften Kaiserswerth gewidmeten Kapitel vor allem den geistlichen Dichter gewürdigt. Der Autor geht unter anderem auf die unterschiedliche Namensgebung im Falle Spees ein. 

 

 

 

Foto: Petra Diedrichs 

Ernst Müller mit seinem Buch

 

Fulda-Baltimore-Langenfeldt

 

Im Juni 2017 kündigte eine englisch sprechende Frau ihren Besuch im Spee-Archiv an. Es erschien eine junge, sportliche Frau, die sich als Stephanie Joyal aus Baltimore vorstellte.

 

Sie habe Griechisch und Latein studiert. Aufgrund dieser Sprachkenntnisse habe sie einen Jahresvertrag innerhalb des Digitalisierungsprojektes des Walters-Museums in Baltimore bekommen.

Das Walters Art Museum, das seine Ursprünge in den Kunstsammlungen von William Thompson Walters seit der Bürgerkriegszeit hat, beherbergt neben den Kunst-, Keramik-, Möbel- und Waffensammlungen auch seltene Handschriften, Drucke und alte Bücher. Letztere wurden und werden digitalisiert.

Stephanie Joyal erzählte uns, sie suche uns auf, weil in einem der von ihr bearbeiteten Bücher der Name Spee von Langenfeldt auftauche. Sie konnte uns die entsprechende Buchseite zeigen, wobei uns das Speesche Wappen sofort ins Auge fiel.

  

 

Es handelt sich um ein weitgehend handschriftliches Buch, das unter dem Titel LIBER AMICORUM OF JOANNES CAROLUS ERLENWEIN kategorisiert wurde. Es geht auf das Jahr 1615 zurück und versammelt Widmungen von Freunden, Bekannten, Verwandten und Studienfreunden aus Fulda - ein Vorläufer der Freundschaftsalmanache und Poesiealben.

 

Freundschaftsbuch Cover

 

Auf Seite 109 findet sich der Hinweis auf Spee von Langenfeldt und eine Sibilla Spee, die eine Schwester Friedrich Spees sein könnte.

 

 

Wir haben unserem Besuch unser Archiv, den Stiftsplatz mit dem Epitaph und Basilika sowie die Stelen im Stadtgarten gezeigt. Vor allem aber haben wir darauf aufmerksam gemacht, dass Langenfeld hier ein Haus in Wankum ist und nicht ein Ort.

 

Haus Langenfeld im Ortsteil Wankum (Foto: Holger Bauer, pivatana)

 

Dieses Haus hat noch dem Großvater Friedrich Spees gehört, ist aber zu der Zeit des Eintrages von Sibilla Spee (1618) nicht mehr im Besitz der Familie.

Beim Abschied haben wir uns versprochen in Kontakt zu bleiben.

 

Online-Bibliothek Walter Arts Museum

 

 

Weitere Recherchen

Nichts spricht dagegen, dass die im LIBER AMICORUM auftretende Sibilla Spee von Langenfeldt eine Schwester Friedrich Spees ist. Vielleicht diente ja der Zusatz "von Langenfeldt" 1618 zur Kennzeichnung des Familienzweiges des Burgvogtes, obwohl der Besitz in Langenfeld veräußert war, gewissermaßen die Linie Langenfeld.

 

Zu den Ämtern Linn und Uerdingen gibt es Wikipedia-Artikel. In beiden Artikeln findet sich der Hinweis "Im 18. Jahrhundert hatte die Schultheißen-Familie Erlenwein eine bedeutende Machtposition". Damit sind wir bei der Familie unseres Johann Karl Erlenwein angelangt. Der Vater Johann Karls war Theobalt Erlenwein, seit 1589 Schultheiß zu Linn und Uerdingen, Schiffszoll-Einnehmer zu Kaiserswerth. Er starb wahrscheinlich 1631 in Kaiserswerth. Sein Sohn Johann Karl Erlenwein (1595-1667) hatte das Schultheißen-Amt in Linn und Uerdingen von 1623 bis 1666 inne.

 

Im heutigen Behördenverständnis kann man das Schultheißen-Amt folgendermaßen umschreiben: Kreisdirektor, Oberzollrat, Leiter des Finanzamtes, Polizeidirektor und Direktor des Amtsgerichtes.

 

Johann Karl zog für seinen Kurfürsten in den Krieg. Für seine Verdienste erhielt er von König Ludwig XIII. eine goldene Gedenkmünze. Den Paderbornern brachte er die Reliquien des Heiligen Liborius zurück. Zum Dank erhielt er einen Ehrenbecher. Erzbischof und Kurfürst Ferdinand überreichte ihm eine goldene Ehrenmünze, Zeichen für eine erfolgreiche Amtsführung. 1663 wurde der Schultheiß Johann Karl Erlenwein Binnenumschlagsspediteur und Lagerhalter. Ein Vorgriff auf die noch heute existierende Spedition in Krefeld, als deren Gründer Balthasar Karl Hubert (1831-69) gilt. Der Bruder Ferdinand August Karl Hubert (1827-65) übernahm das Destilleriegeschäft und gilt als Gründer der Likörfabrik August Erlenwein & Cremer (1863). Wir sehen, dass die Freundschaftsbeziehung der Spee-Schwester einer angesehenen Familie galt.

 

(Dr. Heribert Houben aus Krefeld und Rolf-Günter Stefan, dem Geschäftsführer der Düsseldorfer Spee-Gesellschaft, danken wir für sachdienliche Literaturhinweise.)

 

 

Kurfürst und Erzbischof Ferdinand war der Landesherr des Amtmannes Peter Spee und des Schultheißen Johann Karl Erlenwein.

 

 

 

 

Spee-Plakette

 

 

 

 

Pünktlich zum Geburtstag von Friedrich Spee am 25. Februar konnten wir für das Friedrich-Spee-Archiv in Kaiserswerth eine Bronzeplakette erwerben. Sie hat die Maße 21 x 13,5 cm und zeigt Friedrich Spee in Anlehnung an das „Urbild“ aus dem 17. Jahrhundert. Wie beim Vorbild fällt der direkte Blick auf den Betrachter auf.  Äußere Merkmale sind  der große Kragen, das Birett in der rechten Hand und die linke Hand, die sich auf ein Buch aufstützt. Zusätzlich rollt sich in dieser Darstellung ein Notenblatt über den Bildrand. Es  stellt die Verbindung zwischen Bildteil und Schrift her und ist ein Hinweis auf den Liederdichter.

 

An der linken linken Seite neben Spees Kopf erkennt man einen kleinen singenden Vogel im Geäst, eine Nachtigall. Sie erinnert somit an Spees Gedichtband „Trutz-Nachtigall“.

Der Nachtigall gegenüber verweist ein lodernder Scheiterhaufen auf die Hexenprozesse, gegen die Friedrich Spee vehement in seinem Buch „Cautio Criminalis“ Stellung bezieht.

 

Die Plakette ist zweigeteilt: im oberen Teil (zweidrittel) ist das Bildprogramm mit dem Namen „Friedrich Spee SJ“ und den Lebensdaten (1591-1635) ergänzt.  Im unteren Drittel liest man eine entsprechende weitergehende Erklärung: „WIRKTE ALS PROF. AM KÖLNER JESUITENKOLLEG - BEDEUTENDER LYRIKER - ALS VERFASSER DER SCHRIFT GEGEN HEXENWAHN UND FOLTER - CAUTIO CRIMINALIS - KÄMPFER F. D. MENSCHENRECHTE“.

 

Die Plakette zeigt die Signatur „O.H“. Dahinter verbirgt sich der Bildhauer und Maler Olaf Höhnen (geb. am 5.4. 1933 in Mendig / Eifel – gestorben am 5.3. 2009 in Frechen. Von Olaf Höhnen stammt auch das Bronze-Relief für Friedrich Spee am ehemaligen Jesuitenkolleg (heute Generalvikariat) in Köln. Vom Künstler befinden sich zahlreiche Kunstwerke im öffentlichen Raum u.a. in Köln und Frechen.

 

 

Hans Müskens

 

 

 

Rückblick

 

 

 Prof. Finger während seines Vortrages

 

 

PASTOR VIGILANTISSIMUS*

 

Im Mittelpunkt der diesjährigen Feier des Geburtstages Friedrich Spees stand der Vortrag von Prof. Dr. Heinz Finger:

 

Kaspar Ulenberg - Ein Konvertit zwischen Tridentinischer und Kölnischer Reform.

 

Kaspar Ulenberg (1548 - 1617), der in Lippstadt in einem orthodoxen lutherischen Milieu aufwuchs, war von 1567 bis 1583 Kanoniker und Pfarrer in Kaiserswerth. Nachdem er einen nahen Verwandten für das Luthertum zurückgewonnen hatte, konvertierte er selbst im damaligen Köln zum Katholizismus. Das geschieht, ohne dass wir irgendeinen Beleg für ein entscheidendes, religiöses Erlebnis haben. Prof. Finger stieg tief in die Kölner Kirchengeschichte ein.

,,Um Ulenbergs Stellung zwischen Kölnischer und Tridentinischer Reform wenigstens einigermaßen zu umschreiben, ist es wohl am sinnvollsten, ihm zu unterstellen, dass er in dieser Hinsicht mit dem konservativen Flügel der Gelehrten unter dem damaligen Kölner Säcularklerus übereinstimmte. In einem ganz wichtigen Punkt unterschied sich Ulenberg allerdings sehr vom im Köln damals oft noch mittelalterlich bestimmten älteren priesterlichen Leitbild. Ulenberg sah sich - anders als seine vorneuzeitlichen Amtsvorgänger - nicht fast ausschließlich nur als Sakramentenspender. Er wirkte ganz besonders als Katechet im weitesten Sinn und war in dieser Beziehung auch nach seiner Mentalität sicher kein 'Traditionalist'.

...

 

 

 

 

   

Ulenbergs Psalter, 1. Ausgabe Köln 1583

Diozesan- und Dombibliothek Köln: Aa 484

 

Caspar Ulenberg

 

 

 

So bedeutsam er als Professor, Bibelübersetzer, Komponist, Dichter, Kirchenpolitiker und nicht zuletzt als Kontroverstheologe auch war und so unverzichtbar er zu Lebzeiten in all diesen Bereichen im Kölner Erzbistum gewirkt hat, die Nachwelt hat ihn nur als Seelsorger in Erinnerung behalten, als das, was er selbst allein sein wollte."

 

 

Das musikalische Rahmenprogramm gestalteten Martin Roemer, Grevenbroich (Cello) und Jan Stoll, Düsseldorf (Querflöte). Sie spielten Musik von der Barock-Zeit bis zur Moderne. Als besonderer Tribut an Ulenberg spielten sie Variationen zu den Liedern 393 und 421 des Gotteslobes, beides Lieder von Caspar Ulenberg.

 

 

 

 

 

*Der Wachsamste

 

 

 

Jahreshauptversammlung

 

Die diesjährige Jahreshauptversammlung entsprach nicht der Satzungsregelmäßigkeit, was insbesondere durch den Tod des Schatzmeisters, Herrn Prof. Henrichs, verursacht war.

Unter den Besuchern im Spee-Archiv wurden besonders der Besuch der "Großfamilie" Spee aus Linnep und die Besuche der Spee-Akademien Bonn und Wuppertal erwähnt. Hingewiesen wurde auf die aktuelle Ulenberg-Ausstellung der Universitäts- und Landesbibliothek Bibel, Psalmen, Kontroversen, die von unserem Geschäftsführer Herrn Stephan curatiert wurde.

Es wurde in diesem Zusammenhang über eventuelle Aktivitäten der Spee-Gesellschaft zur Erinnerung an Caspar Ulenberg diskutiert. Erwogen wurde eine Andacht mit Ulenberg-Liedern in der Basilika. Relativ sicher ist ein Vortrag Prof. Fingers "Caspar Ulenberg - Ein Konvertit zwischen tridentinischer und Kölnischer Kirchenreform".

Der Vorstand wurde entlastet und für ein weiteres Jahr im Amte bestätigt.

Herr Cornelius Georg Fetsch wurde zum neuen Schatzmeister bestellt (vorläufig für ein Jahr); als Nachfolger für den verstorbenen Th. M. van Oorschot wurde Dieter Kunze zum Beisitzer gewählt.

Herr Mayer, Vorsitzender des Kaiserswerther Heimat- und Bürgervereins, erhielt zu seinem 80. Geburtstag ein Buchgeschenk.

 

 

 

 

 

  

 

Vor 302 Jahren

starb am 14.11 in Hannover Gottfried Wilhelm Leibniz. 1646 wurde er in Leipzig geboren. Der universelle Gelehrte war Philosoph, Mathematiker, Historiker, Naturforscher und Diplomat. In seinem rastlosen Leben verfasste er nur wenige Werke, die abgeschlossen auf uns gekommen sind. Sein Werk besteht zum größten Teil aus Notizen, Entwürfen und Briefen. Erst heute wird der riesige Nachlass erschlossen.

 

 

Porträt von Christoph Bernhard Francke, um 1700

 

Griechisch und Latein lernte der junge Leibniz als Autodidakt. Das humanistische Studium genügte ihm bald nicht, er wandte sich der Logik zu. Getreu seinem Wahlspruch THEORIA CUM PRAXI entwickelte er im Zusammenhang seiner logischen und mathematischen Studien die erste mechanische Rechenmaschine, die dividierte und multiplizierte (1674). Die Zeichen für Multiplikation (Punkt) und Division (Doppelpunkt) stammen von Leibniz. Er entwarf die Infinitesimalrechnung. Als Bibliothekar führte er als erster den

alphabetischen Katalog ein.

1710 erschien die Theodicée (=Rechtfertigung Gottes). Seine letzten Lebensjahre waren überschattet von dem Prioritätenstreit über die Differentialrechnung mit Newton.

Als der zuletzt kränkelnde Leibniz in Hannover starb, stand ihm als Hofrat eine Begräbnisstätte in der Hofkirche zu. Zur offiziellen Trauerfeier waren auch korrekt alle Hofbeamte geladen worden, aber sein Sekretär Johann Georg von Eckhart war der einzige Trauergast. Die Familie war im entfernten Leipzig, und die Hannoveraner fanden sich für den fremden Gelehrten nicht verantwortlich.

 

Karl-Jürgen Miesen † hat seinerzeit in einem Vortrag vor der katholischen Studenten- und Hochschulgemeinde Hannover auf die Würdigung Spees durch Leibniz hingewiesen. Wir zitieren aus der Einleitung zum Vortrag:

 

 

,,Kaum eine Größe des deutschen Geisteslebens hat mehr zum frühen Nachruhm Friedrich Spees beigetragen als Leibniz. Über dreißigmal hat der hannoverische Philosoph und Jurist, Historiograph und Mathematiker in seinen Werken und Briefen Friedrich Spee lobend erwähnt;

er soll gar eine ausführliche Würdigung Spees vorgehabt haben, aber nicht dazu gekommen sein; gewiß aber hat er ein vierseitiges Elogium Patris Friderici Spee SJ', eine Lobrede also, auf Pater Friedrich Spee gehalten, dessen Werk gegen die Hexenverfolgungen Cautio criminalis er hier preist und dessen asketische Schrift »Gülden-tugend-Kleinod «er sich» in den Händen aller Christen« wünscht. »Blühend schön ist hier der Gedankenfluß und gleichsam himmlischen Atem ausströmend«, rühmt Leibniz das Spee-Werk, »die Aussagen sind großartig, die Ausführungen einsichtig und naturgemäß, die Einfälle geistvoll und wohltuend.«"

Quelle: Spee-Jahrbuch 7. Jg. 2000, S. 167f.

 

Siehe hierzu auch Günter Dengel in unserem Friedrich Spee-Lesebuch, S. 82ff.

 

 

 

 

 

 

Düsseldorf - Literarisch

Unter der Leitung von Dr. Corinna Schlicht und Prof. Dr. Jörg Wesche bietet die Universität Duisburg-Essen ein Seminar Düsseldorf - Literarisch an. Zum Seminarprogramm gehörte eine Tagesexkursion nach Düsseldorf. Ein Besuch im Spee-Archiv stand selbstverständlich auf ihrem Programm.

Bei der Vorstellung des Spee-Epitaphs suchen wir oft an dem etwas versteckten Hakenkreuz. Auf diesem Foto ist es aus günstiger Perspektive gut zu erkennen.

 

 

Dieses Stillleben aus den Regalen des Archivs dokumentiert unsere ständige Konkurrenz mit dem Waschmittel der Henkelwerke¹.

 

 

 

 

Die Fotos verdanken wir Herrn Tim Wübbels, einem der Seminarteilnehmer.

 

 

 

¹ "Spee" ist seit der deutschen Wiedervereinigung eine Marke für Waschmittel von Henkel. Die Marke steht für Spezial-Entwicklung. Spee war eine der wenigen ostdeutschen Marken, die sich nach der Wende in den westlichen Bundesländern durchsetzen konnte. (Wikipedia)

 

 

 

 

 

 

 

Aus dem Norbert-Gymnasium Knechtsteden erfahren wir von einem neuen Musikzentrum der Schule. Leonard Bernstein, Louis Armstrong und Friedrich Spee sind die Namenspatrone der neuen Musik-, Proben- und Konzert-Räume. Die Eröffnung feierte die Schule am 03. März 2016.

Aus einer ehemaligen Kapelle wurde der Friedrich-Spee-Saal mit einer kleinen Bühne und Platz für etwa 120 Zuhörer oder Zuschauer gestaltet. Um diesen neu gewonnenen Raum sowohl für Konzerte und Schulaufführungen als auch das Musizieren im Unterricht und in den AGs nutzen zu können, wurden zusätzliche zwei angrenzende Schulräume renoviert und modernisiert. Zusammen bilden diese drei Räume, der Friedrich-Spee-Saal, der Louis-Armstrong- und der Leonard-Bernstein-Raum das neue Musikzentrum des Norbert-Gymnasiums.

 

Wir vermelden dieses Ereignis gerne als Beleg dafür, wie lebendig der Name Friedrich Spees in der Erinnerungskultur des Niederrheins ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Peine - Das Attentat bei Woltorf (1628/29)

Ab dem Herbst 1628 wurde Friedrich Spee in Peine und Umgebung eingesetzt, um dort die Rekatholisierung voranzutreiben. Zu diesem Engagement gehörten auch repressive Maßnahmen, die nicht recht zu unserem Spee-Bild passen wollen (Siehe dazu: Theo. G. M. van Orschoot in unserem Spee-Lesebuch).

Die katholische Kirchengemeinde zu den HEILIGEN ENGELN in Peine gedenkt mit der Namensgebung des Gemeindehauses des Jesuiten Paters.

 

 

 

 

Die Stadt Peine hat eine Gedenktafel vorzuweisen:

 

 

 

Mittlerweile hat der städtische Alltag die Tafel aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit verdrängt.

 

 

 

Wer es weiß, findet die schwarze Tafel oberhalb der Sonnenschirme zwischen den beiden unteren Fenstern.

 

Reinhold Schneider schildert das Attentat auf Spee:

 

 

 

(Quelle: Friedrich von Spee: TRUTZ-NACHTIGALL. Auswahl mit einem Essay von Reinhold Schneider - Gürzenich Bücherei. Köln 1947)

 

 

 

 

Rekonvaleszenz im Stift Falkenhagen (1629)

 

 

 

In unserem "Lebenslauf von Friedrich Spee" ist die Rekonvaleszenzzeit in Falkenhagen vermerkt. In der Peiner Gegend war auf Spee ein Attentat verübt worden. Dabei erlitt er lebensbedrohliche Verletzungen. Der in Falkenhagen um seine Genesung ringende Spee steht im Mittelpunkt eines 1937 von Reinhold Schneider veröffentlichten Essays. Hier ein Ausschnitt:

 

Endlich lenkte Spee wieder in die Richtung nach Falkenhagen ein; es erhob sich, während er auf und nieder getragen wurde, die Felder sacht vorüberglitten, der helle Wald sich öffnete und schloß und wieder öffnete, in ihm ein Klingen, das aus all den vorüberziehenden Dingen zu tönen schien, um in seiner Seele sich zu sammeln und Gestalt zu werden: so hatte er, wohl nach längerem Ritt, als ihn je ein Reiter zwischen Corvey und Falkenhagen getan, erst in der Dämmerung zwischen den Stämmen des zurückweichenden Waldes den Blick über die brachliegenden Felder auf die nackten Dachsparren der Klosterkirche. Er hatte freilich keinen Wohlstand erwartet, doch im Heranreiten sah er nun, daß es auch hier weit schlimmer stand, als er vermutet; wohl schon seit Jahr und Tag mochte kein Pflug mehr gegangen sein über die verwilderte, überwucherte Erde, und Flammen, Regen und Sturm schienen abwechselnd in dem alten hochragenden Mauerwerk der Kirche und des Klosterbaus eingekehrt zu sein: Falkenhagen der bedeutendste Grundbesitz des Jesuitenkollegiums zu Paderborn, dem Spee angehörte, hatte, trotz seiner Abgeschiedenheit, kein besseres Schicksal gehabt als die alte Bischofs- und Kaiserstadt vor dem Teutoburger Wald, ja, vielleicht noch ein schlimmeres. Doch da der Reisende nun in den Bereich der zerstörten Mauer kam, sah er wohl, daß hier tapfere Hände den Kampf aufgenommen hatten mit Steinen und Dornen; zaghaft und spärlich sproß die Saat, in einem schmalen Bande den Mauertrümmern folgend, aus der Erde auf, deren Kraft kein Brand und Hufschlag hatten töten können. Und als Spee, der abgestiegen war, die müde und widerwillig gehorchende Pforte aufgestoßen hatte, da, im letzten ausgegossenen Licht des Tages, empfing ihn der kleine Garten mit einem so fröhlichen Blühen und Leuchten seiner enggedrängten Stauden und Büsche, daß er ergriffen vor dem schon schlafenden Bienenhaus verweilte, ehe er sich nach einer Unterkunft für sein Grautier umsah.

 

Im Mai hat Hans Müskens Falkenhagen besucht und für uns die Spee-Gedenktafel an der katholischen Kirche St. Michael beim Kloster Falkenhagen fotografiert.

 

 

 

 

Die Detailaufnahme des inneren Portait-Kreises zeigt uns deutlich die Anspielungen auf die Wirkungsstätten Spees.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blinde und Sehbehinderte im historischen Kaiserswerth

 

Foto: Lokalkurier

 

 

Mit Mitte Mai fand, wie der LOKALKURIER am 11. Juni 2015 berichtet, eine historische Stadtführung für Blinde und Sehbehinderte statt. Besonders berührt hat uns, wie die Teilnehmer am Spee-Epitaph den Vortrag ertasten.

 

 

  

 

 

Zum 400. Geburtstag Friedrich Spees gab die deutsche Bundespost eine Gedenkbriefmarke heraus, die von der Grafikerin Frau Graschberger gestaltet wurde.

 

 

Die Sankt-Ansgar-Schule - Staatlich anerkanntes katholisches Gymnasium jesuitischer Tradition (Hamburg) - hat diese Briefmarke in Großformat zur Gestaltung ihrer Cafeteria verwendet.

 

Mit der Bezeichnung "Spee-Haus" hat die Schule schon vor einiger Zeit dem Jesuitenpater ein Denkmal gesetzt.

 

 

 

 

 

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